Mischtechnik
 
       
 

Diese Arbeiten entstanden im Rahmen des Stipendiums "Künstlerbahnhof Ebernburg" in Auseinandersetzung mit der Ebernburg, ihrer geschichtlichen Bedeutsamkeit zur Reformationzeit und der Reformation als medienpolitischem Ereignis, das durch die Erfindung des Buchdrucks als erstem Massenmedium ermöglicht wurde. Grundlage waren Fotos, eigene Zeichnungen der Ebernburg, zwei Stiche mit Darstellungen der Ebernburg zur Zeit Franz von Sickingens und Flugblätter aus der Reformationszeit.
Die Flugblätter wurden nicht vollständig, sondern nur in Ausschnitten verwandt. Bei den benutzten Motiven handelt es sich die Höllenfahrt des Papstes, weiterer kirchlicher Würdenträger und des Sultans, den Schiffbruch des Papstes und der katholischen Kirche, einen weiteren Sturz des Papstes vom Himmel herab, der Krönung eines Satans zum Papst, den Ablasshandel, zwei Tiermessen und den Streit zwischen Papst und Petrus um die Schlüsselgewalt über die Kirche. Ein in in fast allen Bildern verwendetes Flugblatt ist der "Sieh dich für", welcher als Flugblatthändler für das gesamte Flugblattwesen steht und vorgibt, dass Flugblätter über große Entfernungen hinweg ihre Wirkung haben und daher auch von den Vertretern der Kirche gefürchtet sind. Diese bemühen sich, die Flugblätter wieder einzusammeln und zu verbrennen.
Die Vorlagen wurden in einem ersten Schritt am Computer zu einer digitalen Collage zusammengefügt. Der Vorteil gegenüber der traditionellen Collage liegt in den vielfältigen Möglichkeiten, die einzelnen Elemente hinsichtlich Größe, Farbe, Form und Auflösung bearbeiten zu können. Zum Teil wurde die Bildbearbeitung entgegen der üblichen Zielsetzung genutzt, um eine Verschlechterung der Bildqualität zu erzielen, sodass Raster und Pixelierung sichtbar werden. Diese weisen als maschinelle Werkspuren auf die Künstlichkeit des Bildes hin. In einem zweiten Schritt wurden die Collagen übermalt. Hier boten sich - je nach Bild - unterschiedliche Möglichkeiten an: von der leichten Kolorierung und Akzentuierung einzelner Bildteile bis hin zur Erzeugung wahrnehmbarer Pinselspuren als Kontrast zu den Rasterpunkten und Pixeln. Die Ebernburg erscheint öfter auch in einer nur aus senkrechten und waagerechten kurzen Strichen bestehenden Zeichnung, die durch diese Ausführung die digitale Darstellung anklingen lässt.
Mit dieser Arbeitsweise wird das Spannungsfeld ausgelotet, in dem sich unser Umgang mit Bildern bewegt: sind wir uns ihrer Künstlichkeit bewusst, so können wir uns ihrer Wirkung nicht immer entziehen, und wir setzen sie zuweilen mit der tatsächlichen Wirklichkeit gleich. Die Betonung der Künstlichkeit relativiert den Wirklichkeitsbezug und ermöglicht eine Betrachtung, zu welcher die Maler des ausgehenden 19. Jahrhunderts noch vor der Enstehung der abstrakten Kunst gelangten: das Bild als eine ebene Fläche zu sehen, die mit Formen und Farben in einer gewissen Anordnung bedeckt ist.

 

Décalcomanie
 

Portrait


Décalcomanie / Übermalung, 1999, 41 x 87 cm

 
 
 
Décalcomanie     Décalcomanie       Décalcomanie


Décalcomanie / Übermalung, Serie 1997, 41 x 29 cm


Bei der Décalcomanie werden mit Hilfe eines chemischen Lösungsmittels die Photos aus Illustrierten auf das Papier übertragen. Durch mehrfache Wiederholung entsteht der Eindruck einer Collage. Danach habe ich die Décalcomanie mit Gouache und Aquarellfarben überarbeitet.
Ausgangspunkt dieser Arbeiten ist die künstliche Realität der Massenmedien. Deren Bilderflut findet ihre Übersetzung im collagenartigen Über- und Nebeneinander der Décalcomanien. In der Übermalung reagiere ich auf diese Bilder, die oft zwar nicht "echte" Darstellungen menschlicher Existenz sind, aber trotzdem einen Teil unserer Wirklichkeitserfahrung ausmachen. Hierbei geht es nicht darum, die Bilder aus den Massenmedien anzuklagen oder anzuprangern, sie stellen vielmehr ein Rohmaterial dar, das bearbeitet oder gar "entformt" werden kann, so daß sie in einen anderen, künstlerischen Kontext gestellt und dadurch zu neuen Aussagen genötigt werden.

 

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